HERKUNFT · URSPRUNG · PROVENIENZ
BEVOR DAS WERK ENTSTAND,
GAB ES EINE WELT.
Klang, Bild, Geschichte, Bewegung und kulturelles Gedächtnis waren bereits da, bevor sie zu Disziplinen wurden.

VOR DER ERINNERUNG
DIE MUSIK WAR SCHON DA.
Bevor ich Beethoven oder Chopin beim Namen nennen konnte, war mir ihre Musik vielleicht bereits vertraut. Jahre später fand ich die Kassetten mit klassischer Musik, die meine Mutter während ihrer Schwangerschaft mit mir gehört hatte.
Ich kann nicht wissen, was aus diesen Monaten geblieben ist. Aber in meiner eigenen Geschichte beginnt Musik vor der Erinnerung.
FRÜHE IMPULSE
MUSIK · BILD · FORM.
Auf Bali geboren und in einem kulturell vielschichtigen Umfeld aufgewachsen, begegnete ich früh unterschiedlichen Arten, die Welt zu sehen.
Als Kind zeichnete und fotografierte ich, baute aufwendige LEGO-Konstruktionen und lernte die Kamera von beiden Seiten kennen — als Fotografierender und Fotografierter, beim Posieren und Modeln.
Kreativität war nicht in Disziplinen aufgeteilt. Musik, Bild, Konstruktion, Performance und Vorstellungskraft gehörten selbstverständlich zusammen.
Frühe Auftritte in Kindergarten, Kirche und im gemeinschaftlichen Umfeld fügten eine weitere Erfahrung hinzu: vor Menschen zu stehen, die Stimme einzusetzen, in eine Rolle zu treten und durch Performance zu kommunizieren.
Was als Spiel, Neugier und Instinkt begann, sollte bald einen professionellen Rahmen bekommen.


Before there was a grand piano, there was already the fascination of sitting at a keyboard.
KONTINUITÄT
DIE VERGANGENHEIT ANTWORTETE.




FRÜHES PROFESSIONELLES LEBEN
SCHÖNEBERGER SÄNGERKNABEN.
Die Schöneberger Sängerknaben wurden zu meinem ersten professionellen musikalischen Umfeld.
Proben, Aufnahmen, Fernsehproduktionen, Oper, Konzertreisen und große öffentliche Veranstaltungen führten mich früh in eine Welt, in der Musik untrennbar mit Disziplin, Reisen, Institutionen, Medien und Menschen verbunden war.
Es war zugleich der Beginn künstlerischer Unabhängigkeit. Musik war nicht mehr nur etwas, das ich übte — sie war Arbeit, für die ich bezahlt wurde.
PROBE
MUSIK ALS ARBEIT.
Von 1984 bis 1988 arbeiteten die Schöneberger Sängerknaben in einem klar professionellen Rhythmus.
Die Proben fanden montagabends im Rathaus Friedenau im Breslauer Saal statt. Ich sang zweiten Alt, die tiefste Stimme meiner Stimmgruppe.
Am Ende der Proben wurden die Jungs für kommende Auftritte eingeteilt. Gewöhnlich waren es 35 Jungs, die für einen regulären Auftritt eingeteilt wurden.
Die Gagen waren gut und echt. Hotel Auftritte, Opernauftritte, Plattenaufnahmen und Tourneen wurden einzeln ausgezahlt. Die Gagen wurden pünktlich am Anfang des nächsten Monats ausgezahlt.
Musik wurde Arbeit - strukturiert, entlohnt bei Erwartung, dass man funktioniert.
Typische Gagen in diesen Jahren beliefen sich auf:
3 DM für Hotels/gewöhnliche Auftritte
8 DM für die Deutsche Oper Berlin
10 DM für Schallplattenaufnahmen
20 DM für eine Tournee
(pünktlich in bar am Beginn des nächsten Monats ausgezahlt).
ERSTER AUFTRITT
LERNEN DURCH ZUHÖREN.
Mein erster Auftritt mit dem Chor fand 1984 im Hotel Berlin statt.
Da das Konzertprogramm selbst nicht in unseren regulären Montagsproben einstudiert wurde, lernte ich viele Stücke einfach durch Zuhören, Mitgehen und Erinnern. Songs wie Berlin tut gut or Pack die Badehose ein.Zunächst überlebte ich durch zuschauen, hören und gelegentlichem nur Mund auf und zu machen - wenn ich unsicher war, oder es nicht wusste.
Es war kein theoretisches Lernen. Es war Lernen innerhalb der Performance.
Aber den Jungs um mich herum zu folgen, die selben harmonischen Linien und Stimmen wiederholt zu hören und aufzuschnappen - wiederholende Refrains etc. war ein magischer Prozess. Schnell wurde das Repertoire einem geläufig. Nach nur wenigen Auftritten konnte man Melodie und Text.
Das war eine der ersten ganz wichtigen Lektionen, die ich im Ensemble lernte: manchmal lehrte einem die Gruppe etwas, bevor man überhaupt realisierte, dass man irgendetwas lernt.
OPER
DEUTSCHE OPER BERLIN.
Regelmäßige Auftritte an der Deutschen Oper Berlin gehörten zu meiner Arbeit mit den Schöneberger Sängerknaben.
Der Chor wirkte unter anderem in Produktionen wie Das Rheingold, Tosca, Il barbiere di Siviglia, Hänsel und Gretel, Turandot, Carmen und Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke mit.
Oper bedeutete mehr als nur auf der Bühne zu stehen. Es bedeutete Proben, Wiederholung, Präzision, Einsätze und die frühe Erfahrung, innerhalb großer professioneller Produktionen zu arbeiten.

DEUTSCHE OPER BERLIN
LA BOHÈME · LUCIANO PAVAROTTI
Eine Aufführung mit internationalen Stars konnte das Verständnis eines Kindes davon verändern, was professionelles Musikmachen bedeutete.
In La Bohème,erscheint der Kinderchor im zweiten Akt rund um die Szene des Straßenhändlers. Die Musik und das Timing mussten mit Präzision bearbeitet werden. Lange Pausen, in denen man im Kopf mitzählen musste.
Wir hatten Sonderproben auf Italienisch und bereiteten auch das Schauspielen gewissenhaft vor. Ein Einsatz war besonders heikel: nach einer langen Phase des Nicht-singens, musste der Kinderchor fast allein einsetzen. Kein erwachsenen Chor, keine Solisten, und das Orchester spielte gefühlt nichts.
Pavarotte kam auf die Hinterbühne, grüsste jeden - Techniker, Musiker, Sängerinnen. Dann wendete er sich uns zu und sagte einigen über den Kopf streichend: "Tutti bambini, cantiamo insieme!"
Einige Momente später folgten wir ihm auf die Bühne.
Wir hatten alle im Kopf mitgezählt. Wir kannten die Tonhöhen. Wir wussten die Szene. Ich schwöre!
Der Einsatz kam - und keiner von uns begann.
Jeder wartete auf den anderen. Dass irgendeiner von uns begann.
Gerhard Hellwig, unser Dirigent und Chorgründer war außer sich! Die Quittung kam prompt. 50 % weniger Gage für jeden von uns!
Irgendwie blieb etwas Grösseres hängen: Oper, die Konzentration und Arbeit dahinter, die Bühnenpräsenz eines Künstlers, der eine Bühne zu bespielen hat, bevor man überhaupt anfängt zu singen.
Erfahrungen wie diese wurden Grund, warum ich noch immer Musik mache.
SONDERPRODUKTION
DER CORNET · MAXIMILIAN SCHELL
Eine der eindrücklichsten Produktionen meiner Jahre bei den Schöneberger Sängerknaben war Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke an der Deutschen Oper Berlin.
Die Produktion umfasste eine intensive Probenwoche mit Maximilian Schell. Zwischen den Proben wurde Fußball gespielt; auf der Bühne und in den Proben ging es um Konzentration, Timing und Ensemblearbeit.
Bis heute verblieb diese intensive Woche in meinem persönlichen Archiv: Rainer Maria Rilke´s Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke, Presse Material, und eine handgeschriebene Widmung von Maximilian Schell. Ich sass auf seinem Schoß, als er mich nach meinem Namen fragte. "Sebastian - was für ein schöner Name", meinte er. Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph RilkePressematerial, und eine handgeschrieben Widmung von Maximilian Schell.
Diese Objekte sind für mich mehr als bloße Memorabilia. Für mich sind sie Beweis, wie frühe Theateliteratur und Musik zu einer Welt verschmolzen.



FERNSEHEN · TOURNEEN
DIE BÜHNE WURDE GRÖSSER.
Fernsehproduktionen und Konzertreisen führten uns weit über Berlin hinaus.
TVProduktionen und Tourneen brachten uns in Fernsehstudios, Theater und Auftrittsorte in ganz Deutschland. Auch nach Düsseldorf in die Philipshalle zu Auf Los geht´s Los, Auftritte mit Joachim Fuchsberger und Produktionen von und mit Caroline Reiber, wie das Sonntagskonzert auf Tournee.
Für einen jungen Sänger war Reisen Teil der professionellen Arbeit: Proben, Auftritte, im Backstagebereich zu warten, sich schnell auf fremde Bühnen einzustellen, und zu erleben wie das Fernsehen eine Performance in etwas verwandelte, welches weit über den Raum hinaus ausstrahlte.
Musik war nicht von Medien zu trennen.
HEIMAT, DEINE LIEDER.
Während der 750 Jahr Feier Berlins, waren die Schöneberger Sängerknaben eingeladen, zur ersten ZDF Carolin Reiber Show von Heimat, deine Lieder nach München zu kommen. Heimat, deine Liederpräsentiert von Caroline Reiber.
Am 30. März 2987 flogen wir von Berlin-Tegel nach München mit PAN AM.
Vor der Reise wurde das Chor Equipment ausgeteilt: ein blauer Anorak mit Chor-Wappen, einem rot weiss gestreiften Schal mit dem Wappen Berlins, unsere typischen schwarzen Auftrittsjacken ebenso mit dem Chor-Wappen und einer Reisetasche. Weisse Hemden, schwarze Lederschuhe, weisse Kniestrümpfe und scharze kurze und lange Hosen mussten wir selbst mitbringen.
Die TV Produktion fand in Unterföhring statt. Fernsehproduktionen erforderte eine eigene Art von Arbeit. Früher wurde alles präzise geprobt.
Während unseres Aufenthaltes durften wir in das Studio rüber, in dem die Die Unendliche Geschichte mit Fuchur, dem grossen weissen Flugdrachen, gedreht wurde.
Jahre später sollte der Protagonist des Romans von Michael Ende, namens Bastian, mich zu seinem Namen inspirieren. Aus Sebastian sollte Bastian werden.
München · Mai 1987
BERLIN IN MÜNCHEN
Wenige Wochen später kehrten wir nach München zurück.
Als Teil von HERTIE´s Berliner Woche, performten die Schöneberger Sängerknaben am 15. und am 16. Mai 1987 in einem Berlin gewidmeten Musik- Entertainment- und Kulturprogramms.
Das Programm platzierte uns zwischen sehr bekannten VIP´s und Grössen aus Kultur und Medien aus Berlin.
Woran ich mich sehr gut erinnere war die grosse Hitze.
Während der 750 Jahr Feier traten wir oft bis zu dreimal am Tag auf. Bei HERTIE war es die Kombination aus Hitze, Auftrittskleidung, Reise und die konstante Beanspruchung, die physisch sehr herausforderte. Während unseres Auftrittes mussten an die 10 Jungs von der Bühne abtreten, weil ihnen schlecht war. Die Reihen lichteten sich.
Ich hatte Glück und hielt bis zum Schluss durch.
Unter den Songs, die wir vortrugen war auch der emotional aufgeladene Hit: Uns´re Stadt hört doch nicht am Brandenburger Tor (auf Youtube Archivlink).
Auch als sich die Reihen von uns lichteten, war dieser Song der Gänsehaut Song pur.
Wir sangen über ein geeintes Berlin - weit weg von Berlin, als jüngste Botschafter Berlins - zur 750 Jahr Feier Berlins. Das Jubiläum, welches in Ost und West ausgiebig gefeiert wurde.
Man fühlte, was der Song ausdrückte.


SIEGEN
SONNTAGSKONZERT AUF TOURNEE.
Eine weitere Reise führte die Sängerknaben in die Siegerlandhalle nach Siegen in die Fernsehproduktion Sonntagskonzert auf Tournee, moderiert von Elmar Gunsch. Sonntagskonzert auf Tourneepräsentiert von Elmar Gunsch.
Die Reise war eine weitere Variation mit dem Tournee Rhythmus, der einem immer geläufiger wurde: Reisen, Proben, TV Auftritt, Photos, Warten - und zurück nach Berlin.


Düsseldorf · März 1986
MUSIK, FERNSEHEN UND UNICEF.
Eine Fernsehproduktion stach besonders hervor.
Wir flogen von BerlinTegel nach Düsseldorf mit British Airways für die letzte Sendung von Joachim Fuchsberger: Auf Los geht´s los. Auf Los geht´s Los.
Das Programm wurde UNICEF gewidmet und brachte uns mit außergewöhnlichen internationalen und nationalen Persönlichkeiten zusammen.
Wir traten mit dem ersten UNICEF Botschafter der Welt, Danny Kaye auf. So auch kam Sir Peter Ustinov während der Proben zu uns und grüsste uns. Lionel Ritchie, Jennifer Rush, Peter Maffay und Marianne von Weizsäcker waren ebenso anwesend.
Für uns war es eine besondere Perspektive, da wir selber noch Kinder waren, und in einem Programm sangen, welches Kindern gewidmet war, während wir die Stadt und das Land Berlin auf der grössten Bühne, das Fernsehen, vertraten.
Backstage wurde für uns zu einer besonderen Lehrstunde.
Ich erinnere mich fasziniert von den Karikaturkünsten hinter Marianne von Weizsäckers gestanden zu haben, während die anderen Jungs mit ihren Autogrammbüchern bei Richard von Weizsäcker standen. Ich hatte keines, stand aber trotzdem daneben, weil mich das Zeichnen interessierte.
Gerhard Hellwig sah dies, und warf mir eine seiner Blicke zu, die eindeutig sagten, dass ich dort gar nicht sein sollte.
Dass Sir Peter Ustinov zu uns kam, war eines der persönlichen Highlights.
Um uns waren Techniker, Produktionsmenschen, erlauchte Persönlichkeiten aus Politik, Schauspiel, Musik.
Wir übernachteten in Bundeswehrkasernen. Das war schon an sich ein Abenteuer für uns. Danach fuhren wir nach Betzdorf zu einem weiteren Auftritt weiter, wo wir in der Konzerthalle mit dem Betzdorfer Chor auftraten. Wir übernachteten bei Mitgliedern des anderen Chores in deren Familien privat zu Hause.
Einmal mehr brachte uns Musik wohin, wohin wir sonst nie gekommen wären.
Und einmal mehr trugen wir Berlin mit uns mit.

BERLIN · 1987
EIN JAHR IN BEWEGUNG
Berlins 750 Jahr Feier verwandelte das Jahr 1987 in ein außergewöhnliches Jahr für die Schöneberger Sängerknaben.
Es gab Wochen, in denen wir mehrfach am Tag Einsätze hatten. Konzerte, Fernsehproduktionen, öffentliche Events, reisen und besondere Auftritte folgten aufeinander.
Für uns bedeutete es Disziplin, Verantwortung und permanente Bewegung.
Es bedeutete aber auch Aufregung, Freundschaft und Freiheit - und Geld, welches wir mit Musik verdienten.
Berlin selbst schien in Bewegung. Die Stadt feierte überall: entlang des Ku´damms, durch Ausstellungen, öffentliche Kunst, Auftritte und Events, die Kunst überall sichtbar machte.
Inmitten des Trubels war der Chor.
Wir reisten, sangen, präsentierten Berlin und erlebten die Stadt in ihren lebendigsten Momenten.
1987 wurde zu dem Jahr in dem alles aufeinmal zu passieren schien.
BERLIN · JUNI 1987
DIE STADT ENDETE NICHT AM TOR.
Für mich war 1987 am Brandenburger Tor der emotionale Höhepunkt.
Während der 750 Jahr Feierlichkeiten sangen die Schöneberger Sängerknaben einen ihrer Songs überhaupt.
Uns´re Stadt hört doch nicht am Brandenburger Tor auf.
Uns´re Stadt hört doch nicht am Brandenburger Tor (auf Youtube Archivlink)
YouTube archive link
Diese Hookline trug etwas viel Grösseres als nur die Melodie.
Berlin war geteilt. Aber ihre Identität, ihre Vorstellung und Hoffnung endeten nicht an der Mauer.
Am 12. Juni 1987 sangen wir im Rahmenprogramm um den Ronald Reagan Besuches in Berlin. President Ronald Reagan’s visit to Berlin.
Ich erinnere mich an Menschenmengen, voller Erwartung, eine außergewöhnliche Spannung und Stimmung in der Stadt - und ein Gefühl, dass dieser Auftritt mehr sein würde als nur ein Auftritt.
Berlin verwandelte sich in diesem Jahr. Die 750 Jahr Feier verwandelte die Stadt in ein Schmuckkästchen von Kunst, Performances, Events, nicht nur am Ku´damm.
Und wir waren mittendrin.
Ich sah die Air Force One den Flughafen Tempelhof anfliegen. Ich wohnte ganz nah.
Später standen wir in Formation vor Bundeskanzler Helmut Kohl, dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen und dem US Präsidenten und dessen Ehefrau Ronald und Nancy Reagan.
Dann kam die Rede.
"Mister Gorbatschow, open this gate. Mister Gorbatschow, tear down this wall."
Mr. Gorbachev, tear down this wall.”
In diesem Alter konnte ich das historische Gewicht dieses Momentes nicht einschätzen. Konnte das überhaupt jemand?
Aber ich verstand die Athmosphäre,
Ich verstand, dass es Hoffnung war.
Ich verstand plötzlich, was der Song bedeutete.
Als junger Sänger dort zu stehen, umringt von tausenden von Menschen, und dieses Lied Uns´re Stadt hört doch nicht am Brandenburger Tor auf exakt an diesem Ort, in diesem Moment gesungen zu haben, macht mir heute noch Gänsehaut. Uns´re Stadt hört doch nicht am Brandenburger Tor (auf Youtube Archivlink) in that exact place and at that exact moment still gives me goosebumps.
Wir betrachteten Geschichte nicht aus der Ferne.
Wir standen inmitten der Geschichte.
Rückblickend fühle ich Stolz, tiefe Dankbarkeit ein Teil dessen gewesen sein zu dürfen - als Schöneberger Sängerknabe, als junger Berliner, und als Teil des Momentes, der Geschichte schrieb.
ARCHIVDOKUMENT
SCHÖNEBERGER SÄNGERKNABEN · 12 JUNI 1987
Schlicht formuliert ist dieses Schreiben der Chorleitung an die Eltern und an die Schulen: die Schöneberger Sängerknaben waren eingeladen am Brandenburger Tor am 12. Juni zwischen 12 und 14 Uhr, am Freitag für den US Präsidenten Ronald Reagan zu singen.
Dieser Brief bat um Schulbefreiung, falls die Schulbehörden es nicht erlaubten, sollten die Eltern eine Befreiung vom Unterricht erwirken.
Ein Routineschreiben welches hier alles andere als Routine war.

Schöneberger Sängerknaben · Brandenburg Gate · 12 June 1987 · Archive document
AUFNAHMEARCHIV
AUFGENOMMEN IN BERLIN
Meine Arbeit als Schöneberger Sängerknabe führte mich immer wieder in die Hansa Studios Berlin.
Ich sang auf Schalllplattenveröffentlichungen wie: Wir wollen freunde sein für´s ganze Leben, 750 Jahre alt ist Berlin und 100 jahre Kurfürstendamm. Meine Stimme erschien ebenso in dem Beatles Medley, welches zum 50 jährigen Chorjubiläum veröffentlicht wurde. Wir wollen Freunde sein für’s ganze Leben, 750 Jahre alt ist Berlin and 100 Jahre KurfürstendammMeine Stimme ist auf dem Beatles medley zu hören, welches zum 50 jährigen Jubiläum des Chores veröffentlicht wurde.
Das Tonstudio brannte sich in meine Erinnerung ein.
Die Hansa Studios standen direkt vor der Berliner Mauer. Die Teilung war spürbar. In der Ferne für die Magnetschwebebahn in Richtung Philharmonie.
Im Studio war es eine andere Welt: Mikrophone, Toningenieure, Komponisten, Musiker - und die erforderliche Konzentration, eine Aufnahme einzusingen.
Die Hansa Studios schrieben mit internationalen Stars, wie U2, Alphaville, Depeche Mode oder David Bowie Musikgeschichte.
Für mich war es vor allem ein Arbeitsplatz.
Ein Ort, wo Musik aufhörte temporär zu sein, sondern zu etwas festgehaltenem wurde.





Beatles Medley · Schöneberger Sängerknaben · 50th-anniversary release
DANKBARKEIT
WAS MACHTE ALL DIES MÖGLICH?
Zurückblickend wären all diese Erfahrungen ohne Menschen, die die Schöneberger Sängerknaben als äußerst verläßliche Größe im Entertainment möglich machten, nicht denkbar gewesen.
Mein größter Dank gilt Gerhard Hellwig und der Hellwig Familie, die all diese erstaunlichen Dinge möglich machten: Tourneen, Aufnahmen, Auftritte, Opern Engagaments.
Immer wieder.
Hinter dem Chor standen viele helfende Hände, wie Herr Engelhardt, Frau Stahn und andere, die Proben, Reisen, Kostüme, die Logistik, die Kommunikation und die zahlosen Details organisierten, die es einer Horde von Jungs ermöglichten, professionel und pünktlich überall zu erscheinen.
Gerhard Hellwig besaß ein besonderes Netzwerk an kontakten zum Fernsehen, Plattenlabels, Musik, Entertainment und ins öffentliche Leben. Diese Konnecke öffnete Türen. Was am Ende am meisten zählte waren die Disziplin und Organisation die es dem Chor erlaubten, professionell zu agieren.
Die Schöneberger Sängerknaben existierten neben anderen berühmten Knabenchören, wie die Wiener Sängerknaben, die Regensburger Domspatzen und die Thomaner - aber für mich gehörten wir zu etwas ganz Besonderem.
Unser Sound war unmisverständlich Berlin.
Direkt. Lebendig. Manchmal kess. Manchmal cool.
Und genau derselbe Chor konnte auch Klassik: Deutsche Oper Berlin, die gefeierten Klassikaufnahmen mit Luciano Pavarotti und anderen.
Diese Kombination formte mich.
Die namen, die Bühnen und die Reisen waren ganz speziell.
Aber die grosse Lektion war einfach.
Musik wird durch Menschen gemacht.
Und lange bevor ich ein Wort für das Musik-Business hatte, hatte ich dieses Prinzip bereits verstanden.
Music Business is People’s Business.
AUTONOMIE
VON DER EFAHRUNG ZUR STRUKTUR.
Die Schöneberger Sängerknaben hatten mir gezeigt, wie Professionalität von innen funktioniert.
Die Universität gab mir ein weiteres Werkzeugset.
An der Freien Universität Berlin studierte ich Musikwissenschaft neben Betriebswirtschaft, Marketing und Jura (als Nebenfach).
Auf dem Papier wirkten die Fächer getrennt. In der Praxis gehörten sie zunehmend zusammen.
Mich beschäftigte eine Frage, die immer wieder zurückkehren sollte: Was, wenn der Künstler zugleich Unternehmer ist?
Ich interessierte mich für Fragen, die noch gar nicht in dieser Zeit gestellt wurden.
What if the artist is also an entrepreneur?
Nicht einfach jemand, der erschafft und wartet, dass Struktur erscheint - sondern jemand, der versteht, wie diese Strukturen aufgebaut sind.
INTERDISZIPLINÄRES DENKEN
DER KÜNSTLER ALS ENTRPRENEUR
Musikwissenschaften gaben wir das Verständnis für Repertoire, Geschichte, Rezeption, kulturelle Kontexte und künstlerische Praxis.

Betriebswissenschaften gaben mir ein Verständnis für Administration, Marketing, Markforschung, Zielgruppen, Positionierung, Ökonomie und Oganisation.
Jura gab mir das Verständnis, wie Verträge und Institutionen interagieren und funktionieren.
Aber Entrepreneurship fügte noch etwas anderes hinzu:
Strukturen können entwickelt werden.
Das Denken von Professor Günter Faltin war besonders inspirierend und erfrischend. Entrepreneurship muss nicht mit großem Kapital beginnen. Es kann mit einem Konzept beginnen.

Gleichzeitig verband meine akademische Arbeit Musik mit Fragen wie Identität, Kommunikation und öffentlicher Wahrnehmung.
Mit Professor Peter Wicke entdeckte ich populäre Musik von einer anderen Perspektive und schrieb eine grosse Arbeit über die Entwicklung des Images von Michael Jackson vom Sänger zur Kunstfigur.
Ich entwickelte die Idee für meine Abschlußarbeit mit dem Titel:
Der Künstler als Entrepreneur und ökonomische Grösse.
Dies war noch lange bevor das Konzept des Entrepreneurships in der Musikausbildung populär war.
LEUTE
IDEEN BRAUCHTEN ANDERE MENSCHEN
Thomas Anker begegnete mir in der Cafeteria der BWLer.
Wir kannten uns ohne uns zu kennen schon aus der Musikwissenschaft bei Professor Albrecht Riethmüller. Wir unterhielten uns.
Diese Konversationen schienen endlos.
Thomas wurde ein sehr guter Freund und einer der Menschen, die einem immer wieder bei der Arbeit konstruktiv unterstützten. Ob es Graphikdesign war, Aufnahmen, Produktionen oder künstlerische Entwicklung.
Eine andere wichtige Verbindung kam durch die Musikwissenschaft.
An der Universität der Künste studierte ich indonesische Gamelanmusik bei dem renommierten Musikethnologen Professor Artur Simon.
In dieser Umgebung lernte ich seinen Sohn, den Komponisten Art-Oliver Simon, Boris Blacher Preisträger, kennen.
Mit Art-Oliver begann ich sehr praktische Dinge zu diskutieren.
Wo können Musik, Performance, Experiment und andere künstlerische Disziplinen stattfinden?
Und warum sollte man auf andere warten, dass sie einem einen solchen Raum bieten?
DAS ERSTE UNTERNEHMEN
BLAUBETON KULTURETAGE.
Art-Oliver erschuf einen Kompositionszyklus, namens Blaubeton. Blaubeton.
Der Name blieb.
Ich trug das Beiwort: Kulturetage bei. Kulturetage.
Zusammen entwickelten wir die BLAUBETON Kulturetage - mein erstes Unternehmen. BLAUBETON wurde wiedererkennbar. — my first company.
Wir fanden einen 110 Quadratmeter Raum in einem alten Industriekomplex der TRO Kabelwerke in Berlin-Oberschöneweide.
In dieser Zeit hatte die Gegend einen ganz anderen Charakter als heute.
Alte Ziegelstein Industrie Architektur des letzten Jahrhunderts.
Workshops.
Künstlerateliers.
Die Spree.
Ein Stadtviertel irgendwo zwischen Verfall, Niemandsland, Nostalgie und Möglichkeiten.
Es fühlte sich richtig an.

BLAUBETON Kulturetage · Early corporate design and letterhead · c. 1998
AUFBAU DES RAUMES
DER RAUM WURDE TEIL DER ARBEIT
Wir wollten keinen konventionellen Bühnenraum.
Die Performance sollte inmitten des Raumes stattfinden.
Aus Theaterfundussen und Werkstätten organisierten wir rundliche Holzpodeste zum Sitzen und platzierten sie um einen blauen Teppich, der die Bühne markierte auf selber Höhe, wie das Publikum, wie eine Manege.
Wir strichen die Podeste blau an.
Der Boden wurde blau.
Die grosse Hinterwand trug den Namen:
BLAUBETON
in blau.
Messingstühle mit rotem Samt liessen sich aus Theaterfundussen ebenso organisieren.
Industrietrennwände mit Glas und Sprossen trennten die Räume der Halle.
Auch einen Bar-Tresen konnten wir organisieren.
Bühnenlampen liessen wir anbringen, die wir ausrichten konnten.
Später mieteten wir uns einen Boston Flügel im Steinway & Sons Haus. Neben der Miete der erste wirkliche Kostenpunkt.


Der Industrieraum verwandelte sich in einen Kunstraum und Veranstaltungsraum.
ANGEWANDTES WISSEN
AUS THEORIE WURDE PRAXIS.
BLAUBETON wurde der Raum, indem die einzelnen Studienfächer zu einer Einheit verschmolzen.
Aus Ökonomie wurde Budgetierung.
Marketing war: wie ziehe ich Publikum. Durch Flyer, Monatsprogramme und Kommunikation.
Aus Buchhaltung wurden konkrete Zahlen.
Aus Juristik wurden konkrete Verträge, und wirtschaftliche Verantwortung.
Aus Plänen wurden Abläufe, Proben, technische Koordination und Logistik.
Eventmanagement hiess: Künstler, Publikum, Equipment, Zeitabläufe in einen Raum zusammenzubringen.


Das künstlerische Programm war interdisziplinär:
Musik, zeitgenössische Komposition, Jazz, Songs, Tanz, Literatur, Film, visuelle Arbeiten und experimentelle Performance.
Nichts existierte in Isolation.
Jede künstlerische Idee hatte eine Daseinsberechtigung.
Jede operationale Entscheidung beeinflusste die künstlerische Erfahrung.
Dies wurde eine der wichtigsten Lektionen, die ich aus BLAUBETON ziehen konnte:
Künstlerische Freiheit braucht Struktur.
PROGRAMM
VERSCHIEDENE AUSDRUCKSFORMEN. EIN RAUM.
BLAUBETON wurde ein Labor.
At-Oliver entwickelte seine Werkstatt Klänge Serie. Werkstatt Klänge series.
Es gab Konzerte, Lesungen, Tanz Performances, Filmabende, Club Nächte und Performances eingeladener KünstlerInnen.


Meine kanadische Vocal Coachin und Mentorin, Frau Ginger Kahn, trat mit ihrem Gitarristen, Manfred Dierkes (RIP), auf.

Die Singer-Songwriterin Kristina Tuomi trat auf.

MusikerInnen, Komponisten FilmemacherInnen, Performer unterschiedlichster Disziplinen fanden Eingang in unseren Raum.
Uns interessierten nicht Genres.
Es war die Magie des Geschehens, wenn KünstlerInnen den Raum für ihre Visionen und Ideen nutzten.
KOMMUNIKATION
DIE PROGRAMME MUSSTEN IHR PUBLIKUM FINDEN.
Events zu kreieren war das eine.
Menschen mussten wissen, dass diese Events existieren.
Wir designten Flyer, produzierten Monatsprogramme und liessen sie billig drucken und verteilten sie selbst.
Wir kontaktierten Zeitungen und sendeten ihnen unsere Programme direkt in die Veranstaltungsredaktionen.

· BLAUBETON Kulturetage · October 1998
A surviving letter to the Berliner Zeitung Ein im Archiv überlebtes Schreiben an die Berliner Zeitung zeigt die praktische Arbeit von BLAUBETON: Daten, Eintritt, Orte, Zeit, wer,
Marketing war nicht länger nur universitäre Theorie.
Marketing sollte Publikum zu uns bringen.
IDENTITÄT
EINE MARKE AUFBAUEN BEVOR MAN SIE MARKE NANNTE.
BLAUBETON benötigte auch eine visuelle Identität.
Eine rumänische Graphikerin designte das Corporate Design. Ihre Idee: Ein Viereck mit abgerundeten Kanten, in das man einen blauen Stickit Aufkleber kleben konnte. Der Druck konnte durch billige SW-Photokopien erfolgen. Brilliant!
Ein simples Sytem. Flexibel und kostengünstig.
BLAUBETON wurde wiedererkennbar. became recognisable.
Dasselbe Design tauchte auf Aufklebern, Flyern und den Monatsprogrammen auf.
Ich designte und schuf ebenso Promo-Material.

· Heritage archive
Der Raum, das Programm, die Drucksachen und die Kommunikation wurden zu einer Identität.
Lange bevor ich das Wort - Markenaufbau nutzte, schufen wir eine Marke.
CIAN LEE
DER ERSTE KÜNSTLERNAME
BLAUBETON war der Raum, in dem ich meine ersten Solo-Konzerte gab und meinen ersten Künstlernamen erfand:
Cian Lee.

an early public appearance of the name Cian Lee
as songwriter and composer.
"Cian" kam von dem irischen Namen Kilian.
"Lee" kam vom Namen meiner Mutter,
Es war der Beginn einer Identitä als Künstler, die später zu KIAN LEE convention und zu Bastian Lee Jones führen würde.
FRÜHE AUFNAHMEN
VOR DEM ALBUM
Aufnahmen machte ich bereits vor grossness & carnality. grossness & carnality.
Die frühesten Aufnahmesessions führte ich mit dem Toningenieur Wolf Blaszejack am Piano durch und arbeitete mich durch Cover Songs und eigenes Material.
Ich bewahrte diese CDs sehr gut auf - die die Entwicklung eines Repertoires zeigten.
Es waren Standards, Pop-Songs und eigene Songs, die nebeneinander existierten.

Diese waren noch keine Veröffentlichungen.
Es waren Arbeitsdokumente.
Ein junger Nachwuchskünstler lernte, was passiert, wenn Performance aufgezeichnet wird, abgespielt wird und weiterentwickelt wird.
Die Aufnahme änderte die Beziehung zur Musik.
Eine Performance vergeht.
Eine Aufnahme blieb.
DAS ERSTE SOLO KONZERT
GROSSNESS & CARNALITY.
Mein erstes Solokonzert am Flügel ereignete sich in BLAUBETON und der Titel war: grossness & carnality. grossness & carnality.

Das Konzertprogramm war ein Mix aus Cover songs von Elton John, Carole King, Tom Waits, Randy Newman und David Bowie. Neben meinen eigenen Songs und Kompositionen.

Es war ein entscheidender Moment.
Zum ersten Mal wurde der Raum, den ich mit erschuf zur Geburtsstätte meiner eigenen Identität als Solokünstler.
Nach dem Konzert war ich erschöpft, erleichtert und glücklich.
Der Raum war noch da.
Der Flügel war noch da.
Aber etwas änderte sich.
Ich trat allein auf die Bühne.
VON DER PERFORMANCE ZUR AUFNAHME
GROSSNESS & CARNALITY.
Thomas Anker dachte gleich über das Konzert hinaus.
Er organisierte und finanzierte eine live Aufnahme.
Marco Dannemann sollte der Live Toningnieur sein.
Thomas designte das Artwork, überwachte die Produktion und arrangierte das Material, mischte es und masterte es.

Das resultierende Album:
Cian Lee · grossness & carnality
kombinierte Interpretationen von Songwritern, die mich prägten und zu eigenen Songs animierten.
Das Album wurde nie kommerziell veröffentlicht. Peter Fox (SEEED) lobte es ausdrücklich, als ich es um Ecken weitergab.
But the recording remained.
EIGENE MUSIK
CIAN LEE · DEAR CARIBOU! & REVERIE.

Unter dem eigenen Material dieser Periode waren Reverie - eine meiner ersten Klavierkompositionen. Reverie, one of my early piano compositions.
Es gehörte in dieselbe Phase meiner Konstitution als Solokünstler. Ich kreierte mein eigenes Repertoire, lernte es aufzuschreiben, lernte es aufzuführen und es mündete in der Aufnahme.
BLAUBETON war nicht einfach der Ort, an dem ich es aufführte.
Es war die Performance, die den Startpunkt eines Archives und Kataloges bildete.
UNABHÄNGIGKEIT
SELBSTFINANZIERT VON ANBEGINN.
Neben der Uni und BLAUBETON nahm ich meine Gesangs- und Klavierstunden.
Ich finanzierte mich selbst.
Ich gab Musikstunden, Nachhilfe in Deutsch, Englisch, Französisch, arbeitete in Ingenieurbüros und konnte meine Musikausbildung, die Uni, die künstlerischen Projekte und mein Leben weitestgehend selbst finanzieren.
Diese Unabhängigkeit war sehr wichtig.
Um bessere Musikstunden zu bekommen, besseres Equipment und mehr Zeit für meine Musikprojekte zu haben, musste ich die Mittel mir selbst erarbeiten, um all dies zu ermöglichen.
Gleichzeitig studierte ich, arbeitete ich, übte ich als Musiker und erarbeitete mir meinen eigenen unabhängigen Raum.
Es gab keine Trennung zwischen künstlerischer Entwicklung und ökonomischer Realität.
Beides musste Hand in Hand gehen.
VON DER PERFORMANCE ZUR ARBEIT
EINES FÜHRTE ZUM ANDEREN
Eine Performance führte zur nächsten und zu etwas ganz neuem.
Nach meinem Cian Lee Konzert kam Matthias Schuricke auf mich zu - der mein zukünftiger Musikschulchef werden sollte - und bot mir einen Job als Lehrer an bei HAPPY MUSIC.
Ich konnte 35 DM in der Stunde verdienen.
Zu der Zeit war das ein hervorragendes Honorar.

Wichtiger noch - ein selbst produziertes Konzert führte zu einer professionellen bezahlten musikalischen Arbeit .
Und dies wurde ein Muster:
eine Sache führt zur anderen.
KOMPOSITION
DIE ARBEIT SETZTE SICH FORT.
Die Cian Lee Identität endete nicht bei BLAUBETON.
Musikschulprogramme dokumentieren den Werdegang als Sänger, Pianist und Komponist.
Im Jahr 2000 sieht man auf dem Programm die Songs As Easy as Intricate und Quiver unter dem Namen Cian Lee. As Easy as Intricate and Quiver appeared in a public programme under the name Cian Lee.
Die künstlerische Identität wurde mehr als ein offizieller Künstlername.
Sie wurde ein Arbeitskörper.
BUSINESS REALITÄT
NICHTS PASSIERT AUS SICH HERAUS.
BLAUBETON zu führen bedeutet auch das zu machen, was das Publikum nicht mitbekommt.
KünstlerInnen mußten gebucht werden.
Gagen mußten verhandelt werden und berechnet werden.
Eintrittspreise kalkuliert werden.
Getränkeverkauf ermöglichte Zusatzeinnahmen.
Dies bedeutete: Schankerlaubnis und die Rote Karte.
Buchführung.
Verträge.
Druckaufträge.
Publizität.
Equipmentfragen.
Probenpläne.
Reinigung.
Heizung im Winter.
Der Winter war in alten schlecht abgedichteten Industrieräumen eine grosse Herausforderung.
Wir nutzten Heizradiatoren um die Räume erträglich zu halten.
Einen Kunstraum zu betreiben bedeutete das ständige Changieren zwischen Kreativität und Kalkulation. Kulte kosten Geld. Und Kunst ist eine Art Kult.
Der Arbeit auf der Bühne geht eine lange Schlange von Vorbereitung und Gelder verdienen voraus.
BUSINESS REALITÄT
ERFOLG ÄNDERTE DIE MIETFORDERUNGEN
Das Publikum wuchs.
KünstlerInnen, auch international, kontaktierten uns und fragten nach Auftritten nach.
Eventually, applications arrived not only from Berlin, but from countries such as the Netherlands and Belgium.
Die Aktivitäten sprachen sich herum.
So auch das kommerzielle Potential.
Leider bekamen das unsere Vermieter mit und erhöhten die Miete um 100%.
Es war ein Gewerbemietvertrag. Die Kalkulation brach zusammen.
BLAUBETON musste schließen.
Das erste Unternehmen endete, weil ein äusserer unerkannter Faktor es beendete:
ein Gewerbemietvertrag.
Das war eine frühe Lektion, die die Fragilität eines Kunstraumes aufzeigte.
Künstlerischer Erfolg bringt nicht automatisch ökonomische Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit mit sich.
WAS BLIEB
DIE STRUKTUR ÜBERLEBTE DEN RAUM.
Der Raum verschwand.
Die Erfahrung nicht.
BLAUBETON lehrte mich, dass künstlerische Unabhängigkeit von mehr als künstlerischer Fähigkeit abhing.
Es bedarf eines Raumes.
Organisation.
Verträge.
Kommunikation.
Publikum.
Ökonomie.
Design.
Technologie.
Und Menschen.
Meine erste Unternehmung, meine erste Künstleridentität, mein erstes Solokonzert, mein erstes Live Recording und meine erste Gelegenheit alles anzuwenden, was ich über Musik hinaus lernte: Geschäft, Recht und Verträge, Kommunikation.
Art-Oliver gab mir noch einen wichtigen Rat und Hinweis mit auf den Weg.
Er ermutigte mich, simple, ruhige Klavierwerke zu schreiben - schlicht, meditativ, melodische Stücke, die auch ausserhalb der Kreation Gehör finden würden.
Ich hörte auf ihn.
Dieser Hinweis sollte in Zukunft sehr wichtig werden.
KONTINUITÄT
EINES FÜHRTE ZUM ANDEREN
Eine Performance führte zu einem Lehrerjob.
Das Lehren führte zu Kommunikation und Organisation.
Kommunikation führte zum Radio.
Radio führte zu Interviews.
Interviews führten zum Video.
Videos führten zur Produktion.
Produktion führte zu LebenslustTV® Ltd.
Die Künstleridentität führte bis zu Bastian Lee Jones.
Musik und das Rechtemanagement führten zu EARMEecords.
Medien, Produktion und Markenarbeit führten zu erweiterten Strukturen.
Die Namen wechselten.
Die Skalen änderten sich.
Die Prinzipien nicht.
Eines führte stets zum anderen.
KIAN LEE / KIAN LEE CONVENTION
KÜNSTLERIDENTITÄT
VON CIAN LEE ZU KIAN LEE:
Was unter dem Namen Cian Lee begann wurde zu Kian Lee. Cian Lee gradually became Kian Lee.
Menschen assoziierten unter "Cian" irgendetwas chinesisches, ohne zu realisieren, dass die Änderung zu "Kian" eigentlich der chinesische Name meiner Mutter, Lee Kian Eng, war. Ich drehte ihn nur zu Kian Lee. Kian was already part of my mother’s Chinese name, Lee Kian Eng. I turned it around into Kian Lee.
Die Solo Identität wurde zur KIAN LEE convention - einem weiter gefassten Musik & Media Projekt, welches Songwriting, Studio, Performance, Live Performance, visuelle Identität und Film umfasste. Kian Lee Convention — a wider music and media project combining songwriting, studio production, live performance, visual identity and film.
Im Jahre 2001 durfte ich für eine Kurzfilmproduktion an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg die Musik zu dem Streifen "Erlkönig" schreiben. Erlkönig.









Mit dem Produzenten Martin B., Filmemacher mønchsleben und einer sehr talentierten Nachwuchsschauspielerin reiste ich nach Irland, um die Musikvideos für ein Konzeptalbum zu drehen.
Das Projekt sollte Musik, Film, Aufnahmen, Charaktere, Photos etc. in eine künstlerische Welt verbinden.
Während des Irlanddrehs verschwammen die Linien zwischen Gesang, Schauspiel und Rezeption: die Schauspielerin wurde für einen Star gehalten und durfte Autogramme geben, und ich wurde für Pete Doherty gehalten.


KIAN LEE CONVENTION · GONE
Songwriting by Kian Lee and Erdmann · Apple Music










NEUERFINDUNG
BASTIAN LEE JONES WERDEN.
Die Kian Lee convention kam zu einem Ende.
Was folgte war eine Übergangszeit des Suchens.
Die Musik blieb.
Das Piano blieb.
Die Arbeit blieb.
Aber die Künstleridentität war nicht mehr komplett.
Eine Zeit lang experimentierte ich mit verschiedenen Namen - Leeway van Bastian, Bastian, Bastian Lee. Leeway van Bastian, Bastian, Bastian Lee.
Ein neues Element trat in meine Welt: der Grotrian-Steinweg Flügel - der ein entscheidender Teil meiner musikalischen Welt werden sollte.
In dieser Zeit schlug Thomas Anker vor, seinen Bruder, DJ Pepe Vargas, zum Dinner einzuladen. Er hatte seit Jahren mit seinen Live Events und DJ Partys Erfahrung und hat sein Publikum und hat bestimmt Ideen.
Während der Unterhaltung mit ihm tauchte ein Name auf:
Bastian Lee.
Und dann:
Bastian Lee Jones.
Thomas mochte den Namen sofort.
Ich zögerte zunächst. Fünf Silben erschienen mir etwas lang.
Der Name blieb.
Er klang international, ohne zu sagen woher ich kam.
Bastian Mit Bastian verband ich Deutschland.
Lee Mit Lee verband ich Indonesien.
Jones Mit Jones verband ich Irland und den anglophilen Raum.
Es gab auch einen anderen Weg, den Namen zu lesen.
Bastian war der Protagonist in Michael Ende´s "Die Unendliche Geschichte". The Neverending Story.
Lee kam von Bruce Lee.
Und Jones kam von Indiana Jones.
Drei Figuren, die in meiner Vorstellungswelt immer schon vorkamen.
Ob durch Biographie, Assoziation oder Instinkt brachte der Name plötzlich Teile zusammen, die sonst getrennt existierten.
Aus Cian Lee wurde Kian Lee.
Aus Kian Lee wurde Bastian Lee.
Und nun:
BASTIAN LEE JONES.
Die Suche nach einem Künstlernamen mit Nachhaltigkeit wurde zu etwas größerem.
Er wurde der Punkt, wo Biographie, Vorstellung, kulturelle Identität und künstlerische Ziele sich endlich zusammentrafen.
Von hier an öffnete sich ein neues Kapitel.